Erbschein

Der Erbschein ist ein dem Erben ausgestelltes Zeugnis über sein Erbrecht und die damit verbundene Verfügungsberechtigung über den Nachlass. Er macht den Rechtsverkehr sicherer, weil sich andere Personen auf den Inhalt des Erbscheins auch dann verlassen können, wenn sich z. B. herausstellt, dass die dort als Erbe ausgewiesene Person doch nicht Erbe geworden ist. Die Vermutung der Richtigkeit und Vollständigkeit des Erbscheins bezieht sich auf die Tatsache der Erbenstellung als solcher, die Größe des Erbteils und Verfügungsbeschränkungen in Bezug auf den Nachlass (z. B. Anordnung einer Nacherbschaft oder Testamentsvollstreckung).
 
Ausgestellt wird der Erbschein u. a. auf Antrag des Erben vom Nachlassgericht. Erben mehrere Personen, so kann sich jeder Miterbe einen Teilerbschein über seinen Anteil am Nachlass ausstellen lassen.
 
Das Gericht prüft von Amts wegen, ob dem Erben das behauptete Erbrecht zusteht. Fällt die Prüfung positiv aus, erteilt es dem Erben den Erbschein, ist es dagegen davon überzeugt, dass der Antragsteller nicht Erbe ist, weist es den Antrag durch Beschluss zurück. Ist die Rechts- oder Sachlage unklar, so erlässt es einen Vorbescheid.
 
Wurde ein Erbschein erteilt und ergeben sich im Nachhinein Zweifel an seiner Richtigkeit oder hat sich z. B. die Rechtslage geändert, weil der Erbe die Erbschaft angefochten hat (-> Anfechtung), so ist das Nachlassgericht verpflichtet, den Erbschein einzuziehen bzw. für kraftlos zu erklären.